Begleitworte der fünf teilnehmenden Schulämter
Der Religionsunterricht ist ein wesentlicher Bestandteil der schulischen Bildung, da er einerseits Wissen vermittelt, andererseits auch einen Raum öffnet für Werte, Identität und Reflexion. Gerade in einer pluralistischen Gesellschaft wie der unseren ist es wichtig, dass junge Menschen sich mit ihrer eigenen religiösen und kulturellen Prägung auseinandersetzen und gleichzeitig die Vielfalt anderer Glaubensrichtungen kennenlernen. Das Konzept des dialogisch-kooperativen Religionsunterrichts, wie es in der Handreichung Religion und Religionen (RuR) für Berufsschulen in Tirol und Vorarlberg umgesetzt wird, ist ein wertvoller Beitrag zur Förderung von gegenseitigem Verständnis und Respekt. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern und auch den Lehrpersonen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede bewusst wahrzunehmen, Vorurteile abzubauen und den interreligiösen Dialog aktiv zu erleben. Für die Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich steht der Mensch im Mittelpunkt – mit seiner Lebensgeschichte, Individualität, seinen Stärken und Schwächen und seiner Einzigartigkeit. Denn, so wie einst der Heilige Hünkar Hacı Bektaş Veli gesagt hat, Gott erschuf Adam aus sechzig verschiedenen Arten von Erde. Hätte Gott ihn aus nur einer Art Erde erschaffen, wären alle Menschen gleich gewesen und hätten einander nicht kennen gelernt. Ein Religionsunterricht, der verschiedene Perspektiven einbezieht und einen offenen Austausch fördert, trägt wesentlich zu einer friedlichen und respektvollen Gesellschaft bei. Wir gratulieren allen Beteiligten zu dieser gelungenen Initiative und wünschen viel Erfolg bei der praktischen Umsetzung. Möge dieses Projekt dazu beitragen, Brücken zwischen den Religionen zu bauen und junge Menschen auf ihrem Bildungs- und Lebensweg zu stärken.
Es ist unbestritten, dass in unseren Ausbildungsstätten neben der reinen Wissensvermittlung die Bildung der Persönlichkeit, ethische Einschätzungs- und Entscheidungskompetenz sowie die Hereinnahme von philosophisch-theologischen Fragestellungen zur Heranbildung mündiger, kritischer und verantwortungsbewusster junger Menschen grundlegende Bedeutung zukommt. Die Befähigung zu einem Dialog mit Menschen unterschiedlichster Traditionen und Überzeugungen spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Das Projekt Religion und Religionen für den dialogisch-kooperativen Religionsunterricht an Berufsschulen in Vorarlberg ist vorbildlich zur Unterstützung dieser Ziele geeignet. Nur allzu oft sind die Lehrlinge/Berufsschüler/innen die Stiefkinder der Bildungsdiskussion. Daher freut es uns umso mehr, dass dieses bahnbrechende Modell in Vorarlberg realisiert wird, wo auch in anderen Bereichen immer wieder innovative Ansätze in der Lehrlingsausbildung umgesetzt wurden und werden.
Wir unterstützen dieses Modell mit Begeisterung und hoffen, dass diese Begeisterung für den Dialog und das Ausformen eigener Überzeugungen auch auf die jungen Menschen und ihre Lehrkräfte überspringt.
Für die Kirchenleitung der Altkatholischen Kirche Österreichs:
Mag.a Maria KUBIN, Bischöfin der Altkatholischen Kirche
MA Herbert Psenner, Vorsitzender des Synodalrates der Altkatholischen Kirche Österreichs
Der Religionsunterricht ist ein besonders wertvolles Unterrichtsfach, das in allen Schulstufen einen einzigartigen Raum für Austausch, Dialog und gemeinsames Lernen bietet. Im Zentrum steht dabei die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler – ihre Fragen nach Herkunft, Zukunft und dem Sinn des Lebens.
Angesichts der Vielfalt der religiösen Traditionen in einer sich veränderten österreichischen Gesellschaft und den immer größer werdenden Herausforderungen in Bezug auf die organisatorischen Rahmenbedingungen, mit denen der Religionsunterricht im System Schule tagtäglich konfrontiert wird, ist der steigende Bedarf sichtbar, tragfähige und zukunftsfähige Modelle des Religionsunterrichts im System Schule zu implementieren. Ziel ist die langfristige Sicherung eines qualitativ hochwertigen schulischen Religionsunterrichts in Österreich.
Die Handreichung Religion und Religionen (RuR) für den dialogisch-kooperativen Religionsunterricht an Berufsschulen in Tirol und Vorarlberg greift diese Anliegen auf beeindruckende Weise auf. Sie zeigt, wie das Miteinander im Klassenzimmer – zwischen Schülerinnen und Schülern wie auch zwischen Lehrenden – gestärkt werden kann. Der Religionsunterricht wird so zu einem Ort, an dem religiöse Dimensionen erlebt und religiöse Sprachfähigkeit gefördert werden.
Dieser Unterricht trägt nicht nur zur persönlichen Weiterentwicklung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei, sondern schafft auch eine Basis für ein respektvolles und demokratisches Miteinander in der Schulgemeinschaft und darüber hinaus in unserer Gesellschaft. Gemeinsam Antworten auf die Grundfragen des Menschseins zu suchen, stärkt den Zusammenhalt und eröffnet neue Perspektiven.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser gelungenen Verbindung von Idee und professioneller Umsetzung in die Praxis! Ich wünsche allen Beteiligten viel Freude und bereichernde Erfahrungen im Klassenzimmer.
In Zeiten zunehmender Individualisierung von Glauben und Religion bietet „Religion und Religionen“ als innovatives Projekt den Berufsschulen eine Möglichkeit zum wertschätzenden Dialog der Religionen. Auf der Basis des konfessionellen Religionsunterrichts wird Wissen über die eigene Religion erworben bei gleichzeitigem Kennenlernen von anderen Glaubenswelten. Diese Begegnungen auf Augenhöhe leisten einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung und Jugendliche können so Toleranz und „religiöse Mehrsprachigkeit“ einüben. Die katholischen Schulämter der Diözesen Innsbruck und Feldkirch sehen dieses Projekt als eine wertvolle Weiterentwicklung der bisherigen Modelle eines konfessionellen Religionsunterrichts an.
Annamaria Ferchl-Blum (BSA Feldkirch) / Elisabeth Hammer (BSA Innsbruck)
Die Handreichung für einen konfessionsübergreifenden Religionsunterreicht wurde in Zusammenarbeit von Vertretern und Vertreterinnen der beteiligten Kirchen und Religionen ermöglicht und erarbeitet. Allen Mitwirkenden gebührt aufrichtiger Dank und Anerkennung. Der Aufgabenstellung entsprechend wurden Themen ausgewählt, die sich für einen konfessionsübergreifenden, teamorientierten Religionsunterricht für Religionslehrkräfte eignen. Dabei um Ausgewogenheit bemüht, wurde darauf geachtet, spezifische Glaubensansichten und Glaubenspraktiken einzelner beteiligter Religionen nicht in den Vordergrund zu rücken.
Mit Blick auf die fortschreitende Säkularisierung einerseits und auf die mittlerweile religiöse Vielfalt in der Lebensrealität andererseits erscheint ein interreligiöser Dialog mittlerweile unerlässlich. Berührungsängste unter den Religionen abzubauen, einander besser kennenzulernen und so ein gegenseitiges Verständnis im Sinne gelebter Mitmenschlichkeit zu fördern, ist für den sozialen Frieden von großer Bedeutung. Bei allen Unterschieden zwischen einzelnen Glaubensüberzeugungen soll dadurch eine solide Wertegemeinschaft und ein von wechselseitigem Respekt getragenes Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen Religionen ermöglicht werden. Religionsunterricht als Pflichtfach an Schulen, der in Tirol und Vorarlberg auch auf Berufsschulebene stattfindet, spielt bei diesem Bemühen, jeden Menschen in seiner Würde und Integrität zu achten, eine zentrale Rolle.
Die neuapostolische Kirche in Österreich hofft, dass durch anregenden Austausch über Religion, Ethik und Spiritualität im Rahmen konfessionsübergreifenden Religionsunterrichts gemeinsame Werte erkannt und vermittelt werden können. Durch das Zusammenwirken der beteiligten Religionen möge eine gestaltende Kraft erkennbar werden, die künftigen Generationen ermöglicht, untereinander Brücken zu bauen und Verantwortung für Schöpfung und Gesellschaft zu übernehmen.